Barrierefreier Bahnhof Zorneding

Zu unserem Online-Tagebuch erhielten wir von Karl-Heinz Bauer aus Zorneding eine ausführliche E-Mail, die wir gerne hier als Beitrag veröffentlichen:

Sehr geehrte Herren,

vielen Dank, dass Sie jetzt mit Ihrem „Tagebuch eines Schandflecks“ dem Wahnsinn ein Forum geben.

Hinweisschild zur Behinteren-Rampe am Bahnhof Zorneding

Am Bahnsteig von Zorneding befindet sich westlich der Bahnsteig-Überdachung in luftiger Höhe lediglich diese eine Tafel als Weghinweis zur Bahnsteigrampe nach Zorneding und Pöring. Wer von dieser Stelle aus per Rollstuhl zu den beiden Behinderten-Parkplätzen am Zornedinger Bahnhofsparkplatz gelangen möchte hat einen langen Weg vor sich:
– ca. 60 Meter bis zur Rampe,
– dann knapp 300 Meter (bergab, nochmal bergauf, wieder bergab und dann eine lange Rampe bergauf) bis zum Gehweg an der Bahnhofstraße
– dann nochmal etwa 230 Meter nebst einer steilen Parkplatzzufahrt bis zu den beiden Behinderten-Parkplätzen am Treppenabgang
(Foto: Peter Pernsteiner)

Die Liste der Versprechungen ist lang, passiert ist jedoch nichts. Die Ebersberger Zeitung und Ebersberger-SZ haben in den letzten Jahren immer wieder darüber geschrieben. Am 17.11.2012 berichtete die Ebersberger-SZ von einem Gespräch des Bundestagsabgeordneten Ewald Schurer und Bürgermeister Piet Mayr mit Verantwortlichen der S-Bahn München: Besonders der Ebersberger Politiker kann sich über diesen „sehr positiven“ Ausgang mit einer „festen und verlässlichen Zusage“ seitens der Bahn freuen. Laut Schurer wird bis Ende des kommenden Jahres (2013) nun ein Pavillon mit einem Service-Store errichtet und der Treppenzugang „professionell eingehaust“. Passiert ist jedoch nichts.

Es geht aber nicht nur um den Bahnhof selbst, mindestens so wichtig ist ein barrierefreier Zugang zu den Bahngleisen. Für Behinderte ist in vielen Fällen die Benutzung der S-Bahn schier unmöglich. Mütter mit Kinderwagen scheuen den 500 Meter langen Weg über die abwärts und aufwärts führenden Rampen und fahren lieber mit dem Auto (Odyssee für Behinderte, SZ vom 24.07.2012). Im großen Bahnhof-Test der Ebersberger Zeitung (16.05.2012) wurden alle 14 Bahnhöfe im Landkreis Ebersberg auf ihre Barrierefreiheit getestet. Der Bahnhof Zorneding landete auf dem letzten Platz.

Warnhinweis-Schild für Rollstuhlfahrer am Bahnhof Zorneding

Über den beiden Treppenabgängen am Bahnhof Zorneding (und auch an vielen anderen S-Bahnhöfen) befinden sich diese Warnschilder der Bahn, die eindrucksvoll demonstrieren, dass der Bahnsteig an dieser Stelle wohl zu schmal für Rollstuhlfahrer ist. Wer also in Zorneding als Rollstuhlfahrer in einer langen S-Bahn am falschen Ende einsteigt und östlich von den Treppenabgängen ankommt, hat wohl keine Chance legal zur Behinderten-Rampe zu kommen. Von einem wirklich behindertengerechten Bahnsteig kann also in Zorneding keine Rede sein. Der behindertengerechte Ausbau des Bahnhofs ist damit aber bei weitem nicht nur eine Angelegenheit der Gemeinde Zorneding, sondern auch sehr wesentlich gewissermaßen eine Sorgfaltspflicht der Bahn gegenüber ihre Fahrgästen. 
(Foto: Peter Pernsteiner)

Vielleicht haben diese Berichte zu einem Sinneswandel im Rathaus geführt: So hat der Gemeinderat einstimmig am 31.01.2013 entschieden, für einen Planungsauftrag „zur Verbesserung der Situation der Fahrgäste“ 125.000 Euro in den Haushalt einzustellen. Der Finanzbedarf für den Einbau der Lifte soll zwischen 1,2 und 2 Millionen Euro liegen. Bürgermeister Mayr hat sich weit aus dem Fenster gelegt: „Ich glaube 1,2 Millionen Euro ohne Neuverschuldung stemmen zu können“ (Ebersberger Zeitung vom 01.02.2013).

Am 21.10. berichtete diese Zeitung: Laut Bürgermeister Piet Mayr werden die Pläne derzeit von einem Ingenieurbüro bearbeitet. Möglicherweise liege das Ergebnis im Spätherbst vor. Eine ähnliche Antwort erhielt ich bei einem Telefonat mit Bürgermeister Mayr am 18.10.2013: Es wird derzeit eine Machbarkeitsstudie über die Liftalternativen Brücke oder Unterführung einschließlich Kiosk und Toilette erstellt. Die Studie soll in drei bis vier Wochen vorliegen; sie wird dann in den Gemeinderat eingebracht.

Tja, die Liste der Versprechungen ist lang (s. Oben). Ich hoffe doch sehr, dass sich nun wirklich endlich mal was in Richtung Aufzügen am Bahnhof für Behinderte und Eltern mit Kinderwagen tut.

Karl-Heinz Bauer Zorneding

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