Bahn über Kiosk: „So interessant ist Zorneding einfach nicht“

Jetzt steht wohl endgültig von Seiten der Bahn*) fest, dass es am Zornedinger Bahnhof keinen Kiosk geben wird. So stand es zumindest am Mittwoch (4.11.) in einem Beitrag der Ebersberger SZ auf Seite 1 des Landkreis-Teils geschrieben, der am 5.11. auch bei SZ-Online ins Internet gestellt wurde und hier zu finden ist: Link zum Beitrag bei SZ-Online

Als Begründung nennt in diesem Beitrag ein Bahnsprecher, dass trotz „intensiver Suche“ … „offensichtlich kein Interessent zu finden ist.“ Und es kommt noch besser: Er wird auch noch mit den Worten zitiert: „So interessant ist Zorneding einfach nicht.

Dafür stellt die Bahn nun wohl gemäß dieses Zeitungsartikels für 2015 das Ende unseres wunderschönen Bretterverschlags in Aussicht – na dann wollen wir mal hoffen, dass das auch wirklich in die Tat umgesetzt wird und dass die wüste Bretterbude noch im kommenden Winter die mögliche Schneelast unbeschadet übersteht.

Holzverschlag am Treppenaufgang von Zorneding

Oftmals werden beschädigte Seitenverkleidungen monatelang nicht ersetzt. Diese Aufnahme ist vom 9.8.2014 und selbst drei Monate später hat es die Bahn immer noch nicht für nötig erachtet, die gebrochene Seitenverkleidung zu ersetzen.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Ich hoffe aber sehr, dass man trotzdem gelegentlich mal unser Privisorium auch noch ein wenig für den Winter ertüchtigt und die fehlenden bzw. zu Bruch gekommenen Wandplatten baldmöglichst ersetzt.

In diesem SZ-Beitrag weist die Bahn aber auch die Kritik eines Zornedinger Bürgers zurück, dass der Zugang zur S-Bahn für Behinderte und Mütter mit Kinderwagen umständlich und gefährlich ist.

Eine sehr bemerkenswerte Feststellung der Bahn, denn vom Parkplatz in Zorneding kommt man zur Rampe nur über ein schmales und sehr steiles Stück Gehweg hoch zur Bahnhofstraße um dann ca. 60 bis 70 Meter später erst am Beginn der Rampe zu landen. Vor dort sind es definitiv rund 300 Meter bis zum Beginn des Bahnsteigs (zuerst die rund 80 Meter lange Rampe bergab, dann unter den Gleisen hindurch auf die Pöringer Seite, dann eine 45 Meter lange Rampe bergauf, dann nochmals eine 40 Meter lange Rampe bergab, dann unter den Gleisen hindurch zum Bahnsteigbereich und schließlich eine mehr als 80 Meter lange Rampe bergauf). Und wenn man oben am Bahnsteig ankommt, dann kann man in der Regel dort noch gar nicht in die S-Bahn einsteigen, denn nur Langzüge halten wirklich in der Nähe der Rampe – alle anderen haben einen östlicheren Anhaltepunkt. Wenn das nicht umständlich ist!?

Hinweisschilder zur Rampe am Bahnhof Zorneding

Über dem östlichen Treppenabgang befindet sind in der Mitte ein Hinweis-Pfeil mit dem Weg zur Rollstuhl-Rampe. Allerdings sind die beiden Wege dorthin rechts und links von den Treppenabgängen so schmal, …
(Foto: Peter Pernsteiner)

Hinweisschilder zur Rampe am Bahnhof Zorneding

… dass die Bahn oben entsprechende Warnschilder angebracht hat.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Und zum Thema gefährlich für Rollstuhlfahrer möchte ich noch einmal mit zwei neuen Fotos daran erinnern, dass mehr als 50 % des Bahnsteigs für Rollstuhlfahrer nicht geeignet sind. Über dem östlichen Treppenabgang steht nähmlich ein Schild, dass es in Richtung Westen zur Rampe geht, aber daneben steht über den Wegen ein Warnschild „Durchfahrt für Rollstuhlfahrer nicht geeignet“. Wenn die Bahn dann aber wie im SZ-Artikel schreibt, dass „die Situation in Sachen Barrierefreiheit an vielen anderen Stationen in Bayern noch schlimmer ist“ – na dann gute Nacht.

Zum „Leitbild des DB-Konzerns“ passt das alles nicht so recht, denn dort steht beispielsweise unter 3.1: „Kundenorientiert: Wir stellen unsere Kunden und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt des Handelns, weil zufriedene Kunden die Basis für unseren unternehmerischen Erfolg sind. …“

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Ein Kommentar zu Bahn über Kiosk: „So interessant ist Zorneding einfach nicht“

  1. Karl-Heinz Bauer sagt:

    Inklusion – Barrierefreier Bahnhof Zorneding

    „Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion. … Inklusion ist ein Menschenrecht. In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden (Definition Aktion Mensch).

    Diese Definition der Aktion Mensch ist allgemein akzeptiert. Das ändert sich aber, wenn die Inklusion Geld kostet. Dann sind immer die anderen zuständig.

    Und damit sind wir beim barrierefreien Zugang zum Bahnhof Zorneding. Dem Sprecher der Bahn genügt ein stufenfreier Zugang. Was nützt ein stufenfreier über 500 Meter langer Weg über Rampen, die bergab, bergauf, wieder bergab und wieder bergauf führen, wenn Rollstuhlfahrer die Berg- und Talfahrt gar nicht bewältigen können? Bei Eis und Schnee eine schier unüberwindbare Strecke und auch bei guten Bedingungen eine Tortour. Ich lade den Sprecher der Bahn zu einer Rolli-Rally nach Zorneding ein.

    Peter Pernsteiner zitiert aus dem Leitbild der Bahn. Ich möchte das ergänzen: Unter dem Punkt „Wir überzeugen Kunden, Mitarbeiter und Eigentümer“ heißt es unter 3.5 „Verantwortungsvoll: Wir engagieren uns aus Überzeugung für eine soziale Gesellschaft“.

    *

    Und die Alten? Mit ihren jungen Familien sind sie in den 1970er Jahren in die Wohnsiedlungen in der Lärchenstraße und am Daxenberg gezogen. Die Kosten für die Infrastrukturmaßnahmen (Schule, Schulturnhallen) mussten die Bauträger übernehmen. Diese haben die Kosten über die Häuser-/Wohnungspreise an die Neubürger weitergegeben. Sie wurden von den Neubürgern indirekt bezahlt. Mit den Einkommensteueranteilen der Neubürger konnte die Gemeinde ihre Schulden tilgen und Rücklagen anhäufen. Aus den Rücklagen wurden das Jugendzentrum, die Sportplatzanlagen und die Dreifachturnhalle finanziert. Gut so.

    Die „alten“ Neubürger sind nicht mehr so mobil und auf die S-Bahn angewiesen.. Der Zugang zum Inselbahnhof bereitet ihnen die gleichen Probleme wie den Rollifahrern und den Müttern mit Kinderwagen. Es darf jetzt nicht heißen: für die Lifte ist kein Geld da. Dafür sind andere zuständig. Motto: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Und wenn er erst gestorben ist, dann braucht er auch die Lifte nicht.

    *

    Es ist auch die Gemeinde gefordert. Und ich hoffe sehr, dass Bürgermeister Mayr zu seinem Wort steht: „Ich glaube, 1,2 Millionen Euro ohne Neuverschuldung stemmen zu können“. Vielleicht auch ein wenig mehr. Ggf. könnte die Gemeinde für einen Anteil der Bahn in Vorleistung treten. Diese Art der Finanzierung wird ja auch im Straßen-/Autobahnbau praktiziert.

    Karl-Heinz Bauer

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